Monatstipp September und Oktober
Gemütliche Herbstarbeiten
Nach einem Sommer der uns Gärtnern eine klare Kante gezeigt hat und viele Fragen hinterließ, dürfen wir jetzt temperaturmäßig durchatmen. Dennoch ist es immer noch zu trocken, auch wenn uns nun Taubildung sozusagen beim Gießen hilft. Es ist jetzt wichtig, vor allem die immergrünen Gehölze wie Buchs oder Eiben zu gießen, damit sie mit einem guten Wasservorrat in die Winterruhe gehen.
Was an Arbeiten in den Herbstmonaten ansteht, ist relativ relaxt anzugehen: der erste Rückschnitt bringt wieder Ordnung in den Garten. Dabei lohnt es sich hinzuschauen, was wirklich komplett geschnitten wird oder was über Winter stehenbleiben kann. Ich schneide meist nach und nach die eher „matschigen“ Blätter heraus oder was schon zerbröselnd braun wird (typisch für Bergenien z.B.). Starke Selbstaussäer wie Flammenblume und Astern schneide ich möglichst früh zurück, auch wenn ein Rückschnitt im frühen Frühjahr Sinn macht, weil sich vor allem Stauden mit dem vergehenden Laub vor Frösten schützen. Außerdem freuen sich Vögel über stehengebliebene Samenstände. Einem Stieglitz dabei zuzuschauen, wie er Distelblüten auseinandernimmt, ist ein durchaus erheiternder Zeitvertreib. Erst sehr spät zurückgeschnitten werden sollten übrigens die Königskerzen, die in ihren Stängeln besonders komfortable Überwinterungsplätze für Insekten bieten.
Rasen kann jetzt mit speziellem Herbstsaatgut nachgesät werden, der Sommer hat viele Lücken hinterlassen und dem Klee Platz gemacht. Ein prima Rasenersatz mit sehr tiefer Pfahlwurzel, vielleicht wird ihm in Zukunft noch das Blühen abgezüchtet…… Im Ernst: die Wichtigkeit von Rasen will durchaus überprüft sein, denn der Pflegeaufwand ist hoch und der Wasserverbrauch erst recht. Wir stellen aber fest, dass immer mehr Menschen darauf verzichten, ihren Rasen zu gießen, meist wird er sowieso nach einigen Regentagen wieder einigermaßen grün.
Jetzt kommt die große Zeit der Blumenzwiebeln. Auch hier ist Trockenheit durchaus ein Thema. Unter Gehölzen mit dichtem Wurzelfilz gedeihen am besten die Vorfrühlingsblüher, die mit dem Laubschluß über sich ihre Blütezeit schon beendet haben wie Schneeglanz, Traubenhyazinthen, Krokusse. Die eher trockenverträglichen Tulpen sind leider sehr beliebt bei Wühlmäusen. Es ist aber einen Versuch wert, Tulpenzwiebel in größere Töpfe einzupflanzen und einzugraben. Das ist aufwändig, lohnt aber, wenn man ein bestimmtes Bild im Beet erzeugen möchte. Das geht durchaus ein paar Jahre gut wenn man daran denkt, die Zwiebeln mit dem Einziehen des Laubes im Frühsommer zu düngen.
In meinem eigenen Garten, in dem mich Wühlmäuse ausdauernd bei der Bodenlockerung unterstützen, greife ich aber mittlerweile auf Narzissensortimente zurück. Meine Lieblinge sind Narcissus poeticus, die Dichternarzissen, die sich gut zum Verwildern eignen und die absolut robuste Narzissen-Sorte `Thalia´. Sie lässt sich – weiß und zierlich – sehr gut mit Halbschattenpflanzen vergesellschaften und blüht bei mir selbst im tiefen Schatten noch zufriedenstellend. Setzen Sie die Zwiebeln nah an Stauden heran, damit das austreibende Laub die einziehenden Blätter der Zwiebeln verdeckt.

Wer das Glück eher frischer Böden hat (das ist Fachchinesisch und heißt, der Boden ist nicht wirklich nass, aber auch nicht trocken) hat die große Auswahl bei den Blumenzwiebeln. Etwas nervig sind die ewig nicht einziehenden Blätter der so herzigen Traubenhyazinthen und ihre wirklich lästige Selbstaussaat, deshalb verwende ich sie nicht mehr in Privatgärten. Das gilt übrigens auch für die Spanischen Hyazinthen, die während der Blütezeit zwar bezaubernd sind, aber durch ihre Selbstaussaat und dichten Blatthorste Stauden ziemlich zurückdrängen können.
Sehr hübsch auf sonnigen, auch steinigen Plätzen sind die eher seltenen Ipheion, die Frühlingslichtsterne und die eher für feuchte Plätze geeigneten Fritillaria zu denen die riesigen Kaiserkronen genauso gehören wie die zierliche Schachbrettblume. Mein Tipp: Fritillaria persica mit ihren hohen Blütenständen. Die Ansiedelung gelingt nicht immer, aber sie ist so schön, dass sich ein Versuch lohnt.

Noch eine Frühlingsschönheit, die man jetzt vorbereiten kann: Anemone blanda
Ebenfalls sehr dekorativ sind die hohen und niedrigen Laucharten, das Sortiment wird immer größer und der Blütenzeitraum reicht bei manchen Sorten bis in den späten Sommer hinein. Schön finde ich auf die Prärielilien, Camassia. Sie sind sehr gute Hummel- und Bienenweiden, blühen ziemlich lang und haben nur eine Unart: starke Selbstaussaat. Mit konsequentem Ausschneiden der Fruchtstände kann man Abhilfe schaffen.
Es macht Spaß im Herbst Zwiebeln zu werfen, also Hände voll mit Zwiebeln ins Beet zu werfen. Pflanzen sie dort, wo die Zwiebeln hinfallen, das ergibt sehr natürliche Bilder.
Im September können überlange Triebe von Rosen noch eingekürzt werden und auch ein Rückschnitt der Hainbuchenhecken macht Sinn. Im Frühjahr kollidiert der Hecken-Schnitt oft mit dem Nestbau der Vögel. Es wäre schade, sie dabei zu stören.
Der Herbst ist also die Zeit des gemütlichen Aufräumens, ohne Hektik, mit vielen Entdeckungen und wundervollem Gegenlicht durch farbiges Laub und flirrende Gräser.
Wir helfen Ihnen gern dabei, den Garten winterfit zu machen ohne die vielen Potenziale eines Herbstgartens durch Totalrückschnitt zu zerstören. Und natürlich beraten wir auch gern über geplante Umgestaltungen. Bitte denken Sie daran: da auch die Frühjahre immer wärmer und trockener werden, pflanzen wir Gehölze lieber im Herbst!
Sylvia Schnick (Gb-Ing.)
vom Team Mission Grün